[Update] Erstes Fazit zur KTM 690 Adventure R

Im Juli 2018 habe ich meine BMW R 1200 GS verkauft, um sie durch ein kleines wendiges Motorrad für kurvige Strecken und eine leichte, offroadtauglichere & reisefähige Enduro für die große Tour zu ersetzen. Nachdem mit der 690 Duke R relativ schnell ein Gefährt für die Kurven gefunden war dauerte es bei der Suche nach der nächsten Reiseenduro doch etwas länger.

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Die KTM 790 Adventure R war 2018 mein großer Favorit für die Nachfolge der BMW, als sie allerdings zum Anfang des Folgejahres erschien waren meine Eindrücke ernüchternd. Und das lag noch nicht einmal an der viel kritisierten Optik die gewöhnungsbedürftig ist. Sie erfüllte nicht meine hohen Erwartungen die KTM geweckt hatte. Sie fuhr sich nicht bedeutend handlicher als die 1200er GS, obwohl sie sage und schreibe 40 kg weniger wiegt und den Motor, den ich bisher aus der 790 Duke kannte und dort ganz gut finde, gefiel mir mit den Mappings der Adventure nicht. Gefühlt fuhr sie sich wie ein Motorrad mit 20 PS weniger und es sprang einfach kein „Haben will“ Funke über.

Enttäuschung machte sich breit und die Ténéré 700 von Yamaha schien die letzte Alternative zu sein. Ich hatte zwar immer mal wieder mit einer KTM 690 Enduro geliebäugelt, die ich zur Rally bzw. Adventure umbauen würde, aber bisher schien mir der Aufwand immer zu groß. Nachdem Yamaha immer mehr Infos zur neuen Ténéré veröffentlichte, schwand bei mir auch bei diesem Modell das Interesse. Die Marketinmaschinerie der Japaner hatte mir in den letzten 3 Jahren viel zu hohe Versprechungen gemacht die man für das angepeilte Preissegment nicht halten konnte.

Fast zur gleichen Zeit liefen mir zwei Artikel über den Weg, die sich mit 690er Rallye Umbauten beschäftigen. Parallel dazu fuhr ich mit meiner Duke immer mehr Kilometer auf den Tacho (Urlaub in Schweiz und Italien) und stellte fest, dass der Einzylinder absolut langstreckentauglich ist. Die Idee eines eigenen Adventureumbaus reifte immer mehr, aber ganz so einfach sollte es nicht werden, zumindest nicht unter der Prämisse das ganze TÜV konform umzubauen. Rade Garage, wohl einer der beliebtesten Umbauten, wird vom TÜV nicht eingetragen da die Plastikteile wohl nicht den Vorgaben an solch einen Umbau entsprechen. Hinzu kam, dass die neue 690 Enduro R erst Anfang des Jahres auf den Markt kam und noch nicht alle Adventure Kits von den üblichen Anbietern verfügbar waren. Den Umbau von Bräuer fand ich sehr ansprechend, allerdings schreckte mich der Preis etwas ab. Nach weiterer Recherche fand ich heraus, dass die Basis für den Umbau das Kit von Nomad Adv ist. Diese Kits werden von einem Vater Sohn Gespann in den Niederlanden produziert. Auch nach Rücksprache mit dem TÜV sollte es bezüglich der Anbauteile keine Probleme geben, da die Scheibe sowieso ein KTM Originalteil der 450 Rallye Replica ist und auch sonst die Teile sehr hochwertig produziert sind. Einzig bei den angebotenen Scheinwerfern muss man selbst eine Lösung finden, da die angebotenen Optionen in Deutschland/Europa nicht legal verwendet werden dürfen. Hier kann man die original Scheinwerfer der Rallye Replica verbauen wie das Bräuer macht, oder man sucht sich entsprechend als Fern- und Abblendlicht geprüfte 90 mm LED-Scheinwerfer die z.B in Wohnmobilen oder Bussen verbaut werden. Ein TÜV konformer Umbau schien also möglich und auch preislich hielt er sich nach weiterer Recherche im Rahmen. Natürlich wäre eine Ténéré 700 deutlich günstiger gewesen, dafür sehe ich aber sonst keine Vorteile bei der Yamaha. Die Bauteile der KTM sind meinem Eindruck nach um ein vielfaches hochwertiger, und das Gewicht deutlich unter der Japanerin.

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Ende Juni ging es dann relativ schnell. Ich besuchte meinen KTM-Händler um herauszufinden ob die 690 Enduro R von der Höhe passt und mir die Motor Charakteristik überhaupt zusagt. Natürlich ist das Mapping im Vergleich zur Duke nicht ganz so aggressiv, aber sie fuhr sich auch nicht schlechter als die 790 Adventure. Und das obwohl ihr 25 PS fehlen, dafür ist sie allerdings auch 45 kg leichter. Schon während der Probefahrt sah ich mich die Umbauteile bestellen und machte nach 90 überzeugenden Minuten den Kaufvertrag klar. Es dauert etwa zwei Wochen und Anfang Juli war meine Enduro zur Abholung bereit.

Die Umbauteile ließen leider etwas auf sich warten, trudelten aber nach und nach ein. Den Umbau des Rallyevorbaus erledigte ich alleine an einem Wochenende. Insgesamt dürften es grob 10 Stunden gewesen sein.
(DISCLAIMER: einige der folgenden Links sind sogenannte Affiliate Links zu Amazon, wenn ihr darüber Produkte kauft bekomme ich einen kleinen Obolus, ohne das ihr mehr bezahlen müsst)
Neben dem Vorbau habe ich auch neue Barkbusters Handprotektoren, Shin Yo Spiegel, Nomad Adv Gepäckbrücke, Rally-Raid Handlebar Riser, KTM Heizgriffe, 12V USB Steckdose, RAM Handyhalter und eine Seat Concepts Sitzbank verbaut. Sturzbügel folgen noch sobald die Lieferung von Motortek eintrifft. Der Lampenumbau ist noch nicht vollig TÜV konform, dafür muss ich mir mit dem 3D Drucker noch passende Mountings erstellen.

In den letzten 4 Wochen bin ich knapp 3000 km gefahren, mit dabei eine 450 km lange An- und Abreise in die Niederlande und ca. 250 km abseits der Straße auf losen Sandpisten in NL, geschotterten Wegen in den Vogesen und schmalen Feldwegen in Nord-Frankreich.

Das hätte mit Sicherheit auch die GS hinbekommen, aber vor allem bei den Sandpisten mit deutlich mehr Puls. Andererseits war ich überrascht wie gut sich die 690er auf der über 400 km langen Tagestour (ca. 70% Autobahn / 30% Ardennen) schlug. Die Sitzbank war über Stunden bequem und die Rallyescheibe hält den Wind bis 130 km/h im Zaum, danach fängt der Helm an in den Verwirbelungen unruhig zu werden. Dem könnte man mit Sicherheit mit kleinem Spoileraufsatz entgegenwirken, aber selbst mit der GS fuhr ich selten schneller. Das Fahrwerk schlägt sich sowohl auf Straße als auch Abseits sehr gut und funktioniert fast besser als die ESA Variante der BMW. Der kurze Radstand macht die Enduro sogar zum echten Kurvenräuber der trotz Mitas Bereifung nur wenig schlechter als meine Duke mit Diablo Rosso 3 performt. Schräglagen von 37° erreiche ich problemlos und das ohne unsicheres Gefühl.

Der 13,5l Tank klingt klein, bei einem Verbrauch von fast genau 4 Litern sind aber locker 290 km möglich um noch beruhigt an die Zapfsäule zu fahren. Mein Rekord bisher waren 308 km verbunden mit einem Nachfüllen von 12,2 Liter Benzin. Der seit der 2019er Enduro R verbaute Schaltautomat funktioniert ganz gut, je besser desto mehr Gas und manchmal etwas hackelig beim Runterschalten zwischen dem 6. und 5. Gang. Der spartanische Tacho wurde wie ganz viele Teile von der Husqvarna 701 Enduro übernommen und zeigt Geschwindigkeit und Trip. Mehr braucht es aber auch nicht und dieses „Connected Ride“ lehne ich bis jetzt sowieso kategorisch ab, weil ich weiß wie in diesem Bereich Software entwickelt wird. Mit vollgetankt gemessenen 160,5 kg (70 kg vorne / 90,5 kg hinten) ist die KTM nach dem Umbau >85 kg leichter als die BMW. Mit einer Sitzhöhe von 91 cm thront man 5 cm höher als auf dem Boxer, was für eine 1,78 cm kleine Person extrem hoch klingt. Da das Motorrad aber recht leicht, die Sitzbank im vorderen Bereich recht schmal ist und man sich vor dem Anhalten einfach für eine Seite entscheidet ist das überhaupt kein Problem. Selbst wenn man mal den Fuß in eine Senke stellt hält man das Motorrad relativ einfach, während die BMW in diesem Fall wahrscheinlich auf der Seite liegen würde.

Seit dem Verkauf der BMW wurde ich oft nach den Beweggründen gefragt die ich hier auch schon erklärt habe. Ich bin mir bewusst, dass diese Lösung nicht für jeden die beste ist. Ich will es auch nicht so verstanden wissen, dass ich jeden der weiter GS fährt doof finde. In meinem Fall, entsprechend meiner Anforderung (ausschließlich Solobetrieb, mit Gepäck inkl. Zelt, tauglich für lange Anreisen aber auch härteres Gelände, sowie leichtes Handling On- und Offroad) ist es Stand jetzt für mich eine sehr gute Lösung. Klar ist aber auch, jemand der oft mit Sozius unterwegs ist hätte damit wahrscheinlich keinen Spaß und die Souveränität des 1200er Boxers ist auch nicht gegeben. Das Getriebe wird bei der KTM deutlich öfter beansprucht.

Preislich liegt der Umbau inkl. neuer KTM 690 Enduro R unter dem Neupreis der 790 Adventure.

Ein Manko gibt es aber doch und das sind die hohen Servicepreise der 690er. Aufgrund der sehr kompakten Bauweise sind die Arbeiten sehr zeitaufwendig und bei Preisen von 10,90 € pro AW entsprechend teuer. Preislich etwa 30-40% über den Inspektionen der R 1200 GS.

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Was habe ich denn jetzt mit dem Motorrad vor? Neben ACT Portugal, Griechenland, Rumänien und Italien, TET Europe, ASK, LGKS, und ähnliches möchte ich regelmäßig meine Skills auf der nahegelegenen Motocrossbahn verbessern (Anfängerparcour), an Endurotrainings teilnehmen und vielleicht auch irgendwann an Roadbook Touren und (Amateur)Rallyes.

Würde ich den Kauf Stand jetzt wieder genauso machen. Ja, nur würde ich mir die Enduristan Monsoon 3 Taschen nicht mehr morgens, in 70 km Entfernung, vor einer > 400 km langen Anreise kaufen. 😀

[Update]
Die Sturzbügel sind angekommen und montiert. Mir gefällt es!

4 Kommentare zu „[Update] Erstes Fazit zur KTM 690 Adventure R

  1. Wenns dann mal ’ne Amateur-Rallye werden soll, kannste über die Bosnia Rally als Einstieg nachdenken:
    http://www.bosnia-rally.com/

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    1. Cool, Danke für den Tipp 🙂

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  2. Man hört viel Schlechtes über den 690er Einzylinder. Hochgezüchtet, unzuverlässig, keine hohen Laufleistungen, Ölsäufer. Was sagst du dazu? Gruß

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    1. Hallo Thomas, ich habe eine 2017er Duke R mit 11000 km und jetzt die 2019er Enduro R mit 3000 km. Bisher keinerlei Probleme.
      Zwischen 1000er und 10000er Inspektion mit der Duke habe ich einmal Öl nachgefüllt… schätzungsweise 1/4 Liter.

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