Ein elektrisierendes Wochenende

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Ich liebäugle ja schon länger mit einem Elektroauto.
Das da auch nicht alles „grün“ ist und das ein Umstieg von Verbrennern auf Elektroautos wenige unserer Probleme lösen würde mal außen vor.
Mobilität ist für mich wichtig und auch das kann man kritisieren, ob man 10.000+ km im Jahr mit dem Motorrad durch die Gegend fahren muss, das Thema ist aber etwas komplexer und ich bin mir dessen durchaus bewusst weshalb ich in anderen Bereichen mehr darauf achte nachhaltiger zu leben. Aber darum soll es heute nicht gehen!

Ich finde die Elektromobilität spannend, primär nicht weil sie besser für die Umwelt ist, sondern weil sie für mich entscheidende Vorteile auf der Hand hat. Ich bin bisher die Renault Zoe und den BMW i3 gefahren. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis keinen vibrierenden Motor zu haben, die Beschleunigung zu spüren, dabei kaum Geräusche zu machen und die Blicke der Passanten zu ernten. Auch spannend sind Gespräche von interessierten Menschen die einen an einer Ladesäule stehen sehen und dann meist erst zögerlich einen ansprechen, um dann ihrer Begeisterung freien Lauf zu lassen und tausend Fragen zu dem Thema stellen. „Braucht man sein eigenes Typ 2 Kabel, oder wo bekommt man das her?“ „Ist das jetzt eine Schnellladesäule und was bedeutet überhaupt Schnellladen?“, „Wie groß ist denn die Reichweite?“, „Sind sie schon einmal mit leerem Akku stehengeblieben?“, „Haben sie die Möglichkeit Zuhause zu laden?“, „Was ist denn der Unterschied zwischen Typ 2, CCS und CHAdeMO?“ usw. usf.

Ich hatte die Möglichkeit über das Wochenende von Freitag bis Montag einen Hyundai Ioniq Electric zu testen, um zu sehen ob der in meinen Alltag passen würde und ich stellte fest, dass das problemlos funktionieren würde! Meine Arbeitsstelle liegt ca. 10 km entfernt, meine Eltern wohnen 60 km entfernt, der Freundeskreis ist überwiegend in einem Umkreis von 80-90 km verteilt, d.h. 98% aller Fahrten wären problemlos ohne Nachladen möglich. Der Ioniq hat eine minimale Reichweite von 200 km (Herbst bei ~4°, Klima auf 23°, Sitz- und Lenkradheizung an), was für ein Auto mit 28 kWh Akku eine super Leistung ist. Das liegt unter anderem an seinem exzellenten Luftwiderstandsbeiwert aber auch sonst hat Hyundai hier vieles richtig gemacht. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 12,5-14 kWh/100 km, wären das beim Laden am heimischen Stromnetz ca. 3,4 €/100 km ( zum Vergleich mein aktueller Corsa verbraucht 5.9l Benzin, das sind demnach ca. 9 €/100 km). Das ganze Wochenende bin ich allerdings über 380 km gefahren und das völlig kostenlos dank der Ladesäulen bei IKEA, Kaufland und Wasgau. Und genau da sehe ich einen extrem wichtigen Punkt wenn man Elektromobilität etablieren will… dort Ladesäulen aufstellen wo Menschen einkaufen gehen. Mein 20 minütiger Einkauf bei Kaufland sorgte dafür, dass der 50 kW Schnelllader die Batterie von 51% auf 89% füllte (ein Plus von ca. 80 km Reichweite), geht man 2-3 mal die Woche einkaufen muss man die meiste Zeit nie Zuhause laden und bezahlt auch keinen Cent für den Strom. Die IKEA Ladesäule hätte theoretisch 22 kW per Typ 2 Kabel liefern können, da der Ioniq aber nur Typ 2 einphasig unterstützt flossen 6,6 kW. Mein ca. 40 minütiger Besuch bedeutete somit rund 35 km Reichweite zum Nulltarif. Beide Ladesäulen funktionierten nach dem Plug and Play Prinzip. Einstecken und Laden.

Ein großes Problem sind meiner Meinung nach die kommerziell betriebenen Ladesäulen, bei denen es eine große Anzahl an Anbietern und Tarifen gibt, für die man alle eine unterschiedliche Ladekarte oder App benötigt. So ist es leider nicht unüblich, dass Besitzer eines Elektroautos bis zu 10 Ladekarten besitzen um die meisten Anbieter abdecken zu können.

Die 3. von mir genutzte Ladesäule, ebenfalls eine 50 kW CCS, funktionierte zwar leider nicht Plug and Play, aber durch aufrufen einer URL war es auch binnen einer Minute möglich den kostenlosen Ladevorgang zu starten, inkl. Echtzeitupdates zum Ladezustand über die Webseite.

Der Ioniq war mit jedem Schnick und Schnack ausgestattet und kostet in der Premium Ausführung 38.000 Euro. Cruise Control mit Abstandswarner, Lenkassistent, Totwinkel-Assistent, Notbrems-Assistent, Einparkhilfe, LED Scheinwerfer, Navi, elektrischer Fahrersitz beheizt bzw. gekühlt, Klimaanlage, und und und. Ist auch alles ganz schick und vor allem der Lenkassi in Verbindung mit der Cruise Control hat mich etwas beeindruckt. Man muss auf Landstraßen und Autobahnen eigentlich gar nichts mehr machen xD

Kostentechnisch, bei meinen 10.000 km / Jahr, würde sich sogar finanziell ein Ioniq ab 4-5 Jahren amortisieren im Vergleich zu einem ähnlich ausgestatteten Kompaktklasse PKW der rund 27-28.000 Euro kostet. 5 Jahre Garantie bietet Hyundai auf das Auto und ab Mitte 2019 kommt wohl ein Facelift mit ~40 kWh Akku, also ca. 285+ km an Reichweite. Gegen den Stromer spricht leider eine Lieferzeit von 13-14 Monaten.

Die 2,5 Tage haben mir aber gezeigt, dass die so oft erwähnte „Reichweitenangst“ eigentlich kein Thema ist und selbst weitere Distanzen sind mit etwas Planung problemlos möglich. In Deutschland wird ein Auto im Schnitt 45 km / Tag bewegt, bei mir sind es sogar nur rund 30 km und Strecken > 200 km fahre ich maximal 1-2 mal im Quartal. Wer täglich 100 – 200 km oder gar mehr abspulen muss, für den ist so ein Auto natürlich nichts, aber ich denke dass ein Elektrofahrzeug problemlos in den Alltag ganz vieler Menschen passen würde und zwar als Erstwagen.

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Tendenziell würde ich nach dem Wochenende nun noch mehr zu einem Elektroauto tendieren. Gründe dagegen gibt es für mich eigentlich keine mehr… klar der höhere Basispreis ist schon beachtlich, aber durch das Sparen der Kfz-Steuer, geringeren Inspektions- und Energiekosten gleicht sich das mit der Zeit wieder aus.

Mal sehen was die Zeit bringt!

PS: Ich wurde auf den Werterhalt der Elektrofahrzeuge hingewiesen, über den ich mir noch gar keine Gedanken gemacht hatte und fand dazu folgenden Artikel.

Eine inzwischen beim Wertmeister etablierte Einzelklasse nehmen die E-Autos ein. Bemerkenswert dabei: Die drei bestplatzierten Modelle weisen nach vier Jahren jeweils noch fast 60 Prozent Restwert auf, erheblich über dem Marktdurchschnitt konventioneller Verbrenner-Pkw. Sieger in dieser Kategorie ist die rein elektrisch betriebene Version des Hyundai Ioniq.

https://www.schwacke.de/neuigkeiten/auto-bild-und-schwacke-kueren-die-wertmeister-2018/

Damit sollte sich ein Ioniq tatsächlich schon < 4 Jahre finanziell lohnen.

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